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Bergwandern für Anfänger – mit diesen Tipps bist Du sicher am Berg

Bergwandern

Wenn Städter wandern gehen…

Werbung für diverse Anbieter, Webseiten und Youtube Kanäle, natürlich nichts bezahlt!

Dieser Beitrag liegt mir schon laaange auf der Seele und nu hab ich endlich die Zeit und die Muße ihn zu schreiben. Ich bin kein Bergwander Experte aber eben genau deswegen ist es ganz sinnvoll, dass ich ihn schreibe. Als ich angefangen habe, mich auf Berge zu begeben, hab ich Tipps gesucht aber die Leute, die vom Wandern schreiben sind meist Leute, die in den Bergen aufgewachsen sind und die eben keine Anfänger sind. Wir als Stadtpflänzchen fangen beim Bergwandern ja noch vorm ABC an und das was leidenschaftliche Bergwanderer im Blut haben und als selbstverständlich erachten, war für mich neu. Einiges musste ich durch Erfahrungen lernen, die nicht immer angenehm waren. Ins Gewitter zu kommen, Schneefelder queren zu müssen, mir Blasen zu laufen, zu frieren oder keine Kraft mehr zu haben, sind alles Dinge, die man mit ein bisschen Vorbereitung vermeiden kann. Deswegen hab ich mich hingesetzt und Euch meine Erfahrungen nieder geschrieben. Ganz wichtig: Es geht ums Bergwandern. Die Tipps gelten nur bedingt, wenn Ihr im Sauerland der der Eifel unterwegs seid, ich beziehe mich eher auf Bergtouren ab 600 Höhenmetern, die ordentlich anspruchsvoll und eben auch ein wenig gefährlich sind.

1. Plan Deine Route im Voraus.

Wenn Du weißt wo die Reise hingehen soll, plane Deine Routen im Voraus. Lies Dich ein und such Dir verschiedene Routen raus, die passen könnten. Am besten googelst Du erstmal „„Ort“ Wanderroute“ und schaust Dir an, was es so gibt. Ich lande damit meist bei: Bergfex, Outdoor Active oder Komoot. Komoot hat sogar eine App, mit der Du Dir Routen selber planen oder vorhandene Routen abspeichern kannst. Achte darauf, dass es wenig Straßenpassagen gibt, damit Du das ultimative Naturerlebnis hast. Auch wenn Du Dich noch nicht festlegen willst, schau Dir 2-3 Alternativrouten an, die Du Dir vormerkst. Schau Dir am besten auch Erfahrungsberichte von Wanderanfängern an, damit Du einschätzen kannst wie lang die Route wirklich ist und wie viel Zeit Du brauchen wirst. Wenn ich mir herausfordernde Routen raussuche, schau ich mir meist noch Routenvideos auf Youtube an, das geht ganz gut bei Marlenesleben oder Alpinefex. Das Schöne daran ist, dass man recht gut einschätzen kann wie anspruchsvoll der Weg wirklich ist und einen Eindruck bekommt, was einen erwartet. Diese ganze Vorbereitung hat einfach den Vorteil, dass Du Dich vor Ort flexibel nach dem Wetter richten kannst und Dich nicht mehr mit Routensucherei beschäftigen musst.

 

2. Plan Deine Route nach Deiner Erfahrung und Deinen Möglichkeiten

Ich sag mal so: Es gibt einen Grund, wieso es farbliche Routeneinteilungen gibt. Schwarz kennzeichnet meist die schwierigsten Routen, dann kommt meist Rot, dann Blau oder Grün oder Gelb. Je nach App, Land und Kennzeichnung gibt’s hier Unterschiede. Erkundige Dich also am besten vorher, damit Du weißt, was Dich erwartet. Die DAV-Klassifizierung ist eine gute Richtlinie und sieht wie folgt aus:

Gelb: Talwege und Forststraßen, die mit normalen Turnschuhen gegangen werden können.

Blau: Einfache Bergwanderwege, schmal, teilweise etwas steiler

Rot: Anspruchsvolle Bergwanderwege, schmal, steil ausgesetzt und können absturzgefährdete Stellen haben, Kurze Passagen können gesichert sein, sind aber ohne Klettersteigset begehbar. Trittsicherheit erforderlich.

Schwarz: Steile Bergwanderwege durch absturzgefährdetes Gelände. Ggf kraftvoller Einsatz der Hände, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind erforderlich. Schwarze Routen sind für Wanderneulinge nicht geeignet.

Neben der technischen Einteilung spielt auch die Länge einer Tour eine große Bedeutung. Beim Bergwandern sind die Routen um einiges anspruchsvoller, weil man mitunter viele Höhenmeter bewältigen muss und dabei zudem einiges an Konzentration gefragt ist. Viele überschätzen ihre Kraft. Wer im Ruhrgebiet einen lockeren 20 km Marsch hinlegen kann, wird sich wundern wie anstrengend beim Bergwandern bereits 4 km sind. Deswegen mein Tipp: Taste Dich ran und starte mit kürzeren Routen. Starte mit einer 3-4 stündigen blauen Route, geh dann weiter auf ein 2-3 stündige Rote und sammel hier erstmal Erfahrung und Trittsicherheit. Ich weiß, dass viele Leute gern sofort mit Hardcore Touren starten würden. Aber beim Bergwandern bezahlst Du Übermut unter Umständen mit Deinem Leben und Du kannst mir glauben, es gibt so viele schöne gelbe, blaue und rote Routen in den Bergen, dass Du Dir die Zeit zum Erfahrungen sammeln ruhig nehmen kannst.

3. Hab Deine Route dabei.

Ich nutze für die Routen Navigation das schon oben genannte Komoot und bin damit auch zufrieden, Trotzdem habe ich, wenn irgendwie möglich, immer eine Karte dabei. Die Technik kann Dich schließlich auch mal verlassen und ich fühle mich gerade auf längeren Routen sicherer, wenn ich eine Karte dabei habe, die mir auch Alternativen zeigt. Das macht auch Sinn, weil es passieren kann, dass ein Weg mal nicht begehbar ist. Ich hatte das im letzten Jahr, da hat ein riesiges Schneefeld den Weg verdeckt. Ich wollte das nicht queren und musste nach einer Alternative suchen. Ohne Empfang tut Komoot sich etwas schwer und die Karte war eine hervorragende Alternative. Wichtig auch, dass Du Dir die Routen – wenn digital – zur Offline Nutzung speicherst. Sonst bringen sie Dir am Berg nämlich nicht so viel.

4. Hab das Wetter im Blick.

Ich weiß, das hört sich an wie ein alter Hut, ist aber seeeeehr wichtig. In den Bergen schlägt das Wetter sehr schnell um, wenn jetzt noch strahlender Sonnenschein ist, kann in einer halben Stunde das dunkelste Unwetter toben. Regen ist nicht so schlimm, nur unangenehm aber ein Gewitter am Berg ist sehr gefährlich. Deswegen check am besten immer das Wetter bevor Du aufbrichst und schau, ob es Gewitterwarnungen gibt. Meist sind die Infos diesbezüglich recht zuverlässig. Wenn also für Mittags Gewitter angesagt sind, kannst Du eine Halbtagestour planen, solltest aber schauen, dass Du entweder mittags zurück bist oder einkehren kannst.

 

5. Geh nur Wege hoch, die Du auch wieder runter gehen würdest.

Meine persönliche Nummer 1 der Ratschläge am Berg. Wenn Du bei einer Stelle auf einer Route Bauchschmerzen hast, weil Du sie Dir nicht zutraust, dann lass es. Auch wenn Du eine Rundtour geplant hast, kann es immer sein, dass Du umkehren musst. Weil der Weg versperrt ist, weil Du an eine Stelle kommst, die Du nicht bewältigen kannst, weil Deine Kraft nicht mehr reicht etc etc. Wenn Du dann an eine Stelle kommst, die Du runter nicht bewältigen kannst, sitzt Du in der Klemme. Dann bleibt nur Augen zu und durch oder Bergrettung. Augen zu und durch kannst Du unter Umständen mit dem Leben bezahlen, Bergrettung mit einem Monatsgehalt (oder zweien oder dreien…). Ich hab die Erfahrung erst im letzten Jahr mit meiner Freundin gemacht. Ich hatte die Route ausgesucht und wir sind immer der Route entlang, es wurde steiler, ausgesetzter, es kamen Geröllfelder, den Weg konnte man nicht mehr richtig sehen, irgendwann hat meine Freundin gestoppt und gesagt: „Ich kann nicht viel weiter, ich hab Angst.“ Ich hab sofort eingelenkt und gesagt ok, dann gehen wir zurück. „Das geht auch nicht, ich hab Angst“. Klassische Pattsituation. Ich bin dann vorgegangen und hab geschaut, wie der Weg weitergeht, zum Glück ging er danach sehr entspannt weiter und sie ist mit mir weiter gegangen, ich hätte aber nicht gewusst, was ich machen soll, wenn sie es nicht weiter geschafft hätte. Deswegen: Nur hoch was Du wieder runter gehen würdest und das gilt auch für Begleitpersonen. Persönliche Grenzen am Berg sollte man zu jeder Zeit beachten und respektieren. Der Grad zwischen Selbstüberschätzung und sportlichem Ehrgeiz ist sehr schmal. Ich selber habe schon zwei Mal wenige Meter vorm Gipfel halt gemacht und Chris allein hochgehen lassen. Ich hab mich ins Gras gesetzt und die Bergluft genossen, weil ich wusste: Wenn ich den Grat jetzt hochlaufe, komm ich ihn nicht ohne Probleme wieder runter. Jetzt, im dritten Wanderjahr bin ich bei der 60sten Wanderung angekommen und werde immer sicherer. Es kommt. Aber es dauert. Deswegen: Hör in Dich rein und sei ehrlich zu Dir.

6. Jeder hat sein eigenes Tempo am Berg

Ich weiß es ist schön zusammen zu wandern. In der Ebene macht das auch Sinn, am Berg passt es unter Umständen nicht. Der eine spurtet den Berg hoch, der andere geht gemächlich und macht mehrere Pausen. Das Gleiche beim Runtergehen. Bei schwierigeren Passagen und beim Abstieg ist meist ein gewisses Maß an Konzentration gefragt, da macht es wenig Sinn beim Tempo des jeweils anderen mithalten zu wollen und das ist auch gar nicht nötig. Chris und ich haben ein völlig unterschiedliches Tempo. Während ich ein guter Bergaufgeher auf ebenen Straßen bin, bin ich die völlige Gurke beim bergab laufen und bei schwierigeren Gipfelpassagen. Meist geht er dann voraus und wartet an schwierigeren Stellen um mir zu helfen. Leichtere Passagen laufen wir dann weder gemeinsam. Man sollte auch niemanden dazu bringen schneller oder langsamer zu gehen. Jeder hat sein ganz eigenes Bergtempo.

 

7. Equipment ist alles

Ich hab schon so häufig diesen Satz gehört: „Wanderschuhe? Also ich wandere in Turnschuhen“. Und das ist kein Klischee, das ist Realität. Entweder wandern diese Leute nur gelbe und blaue Routen oder sie sind eben dumm oder leichtsinnig. Sorry to say so. Wanderschuhe sind kein übertriebenes Outdoor Equipment sondern ein Must Have beim Bergwandern. Und sie sind das Einzige von dem ich sage: Das muss. Der Halt ist ein anderer und man schützt damit sich selbst und andere. Menschen mit Laufschuhen am Berg (die keine professionellen Trailrunner sind oder in 2.500 m Höhe aufgewachsen sind) sind leichtsinnig. Nr. 1 des Must Have Equipments ist also der Wanderschuh! Auerdem habe ich persönlich noch das folgende Equipment dabei:

  • Wasserblase um ausreichend Flüssigkeit mitzunehmen. Die Hitze am Berg kann brutal sein. Oft schwitze ich auf den ersten Metern schon so viel, dass ich das schnell ausgleichen muss. Eine Flasche ist unpraktisch. Du musst jedes Mal anhalten. Das macht man nicht gern, deswegen wirst Du zu wenig trinken. Also: Blase einpacken und genug trinken, dann gibt’s auch kein Kopfweh am Berg!
  • Wandersocken: Nach einiger Zeit läufst Du Dir in den Wanderschuhen die Füße wund. Was schützt sind Wandersocken. Die sind speziell gepolstert. Sie sind zwar etwas teurer aber Du brauchst auch nur 1-2 Paar und kannst sie nach dem Tragen ausspülen und trocknen.
  • Stöcke: Die schützen die Knie beim bergab laufen und geben Halt, wenn es mal schwieriger wird. Ich habe meist Stöcke dabei. Es geht natürlich auch ohne aber mit isset einfach komfortabler.
  • Erste Hilfe Set & Erste Hilfe Verpflegung. Ich hab es zum Glück noch nie benötigt aber bin wahrscheinlich froh, wenn ich es dabei hab, falls es mal dazu kommen sollte. Ich hab es dazu noch um Blasenpflaster und Powerriegel ergänzt. Die habe ich übrigens immer dabei, weil mir zu Beginn einmal die Kraft ausging. Unglücklich am Berg. Deswegen lieber etwas zum Kraft tanken dabei haben.
  • Ich habe mir eine Wasserfeste, ganz leichte Decke zugelegt, damit ich mich nicht immer ins Gras setzen muss, wenn ich irgendwo Rast mache. Sie nimmt keinen Platz weg und schützt zur Not auch vor Wind, Regen und Sonne.
  • Regenjacke oder Cape: Ich hab beides, eine Regenjacke von Odlo, die zum Einsatz kommt, wenn es regnet und ein Cape, das zum Einsatz kommt, wenn es anhaltend schüttet. Beides schon mehrmals benutzt und bei beidem immer wieder glücklich, dass es da ist.
  • Bauchtasche: Lieb ich. Da hab ich meine Gopro, mein Handy, Taschentücher und Geld drin und muss nicht ständig an den Rucksack.

soooooo. Das waren sie. Meine 7 Anfängertipps, die ich mir hart erarbeiten musste und die ich gern gelesen hätte, als ich angefangen habe. Vielleicht hilft es Euch ja weiter <3

 

 

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