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Produktcheck: Augen auf beim Eierkauf

Ei

Werbung – weil Produkte zu sehen & Kaufempfehlung

Ich gestehe, ich habe Euch ein bisschen genatzt. Das ist kein wirklicher Produktcheck, mehr ein Hilferuf. Eier sind ein schwieriges Thema. Und ich hab lange überlegt, ob ich den Artikel schreibe oder nicht, wie ich ihn aufbaue und was ich sagen möchte. Wenn nur eine Person das überdenkt, was sie da kauft, hat sich das Thema gelohnt. Wenn ich im Supermarkt an der Kasse stehe und mir anschaue, was die Person vor mir gekauft hat, stört mich ein Wort ganz besonders: Bodenhaltung. Am liebsten würde ich dann immer direkt sagen: „Ähm, entschuldigung, Sie haben sich wahrscheinlich vergriffen, Sie haben Eier aus Bodenhaltung gekauft.“ Und wahrscheinlich wäre diese Person irritiert und wüsste nicht was dagegen spricht. Lasst uns mal einen Blick auf das Ei als Nahrungsmittel werfen.

Das Ei als nährstoffreiches Nahrungsmittel

Ein Ei hat eine biologische Wertigkeit von 100 und enthält alle essenziellen Aminosäuren. Es ist mit seinen 12,8 % Protein ein hochwertiger Eiweißlieferant. 11,3 % sind Fett und 0,7 % Kohlenhydrate. Außerdem sind die Vitamine A, D, K, B2, B6, B12, Folsäure, Phosphor, Natrium, Kalium und Calcium enthalten. Dass man von Eiern Probleme mit dem Cholesterin bekommt ist mittlerweile überholt. Eier sind gute Nährstofflieferanten – wenn auch mit hohem Fettanteil. Gesundheitlich gesehen spricht also viel für und wenig gegen den Verzehr von Eiern. Da erstaunt es nicht, dass der Durchschnittsdeutsche ca. 231 Eier im Jahr ist.

Wo ist also das Problem mit dem Eierverzehr?

Diese 18 Milliarden Eier müssen irgendwo herkommen. Um das zu schaffen, müssen viele Hennen viele Eier legen. Was fressen sie? Wo leben sie? Und was passiert eigentlich mit den Hähnen? Die drei Fragen fassen die 3 Grundprobleme des Eierkaufes ganz gut zusammen. Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft leben ca 40,6 Millionen Legehennen in Deutschland. Doch längst nicht alle haben ein schönes Leben.

Die unterschiedliche Haltung

Letztlich unterscheiden wir in Deutschland zwischen:

  • Bodenhaltung
  • Freilandhaltung
  • Ökologische Erzeugung (Bio-Eier)

Hier kann man schon extrem viel richtig machen. Ein kurzer Blick auf die Haltungsformen:

Bodenhaltung

Die Hühner leben in einem geschlossenen Stall, in dem sie sich frei bewegen können. Die Käfighaltung ist bereits vor einiger Zeit verboten worden (Gott sei Dank). Die Bodenhaltung hingegen ist noch erlaubt. Die Ställe können mehrere Etagen hoch sein, Auf einem m² dürfen hier 9 Hennen gehalten werden. Das ist nicht viel Platz. Die Hennen sehen also nie das Tageslicht, leben auf engem Raum und der Boden besteht zu einem großen Teil aus Plastikgittern. Lebenswert? Ich denke nicht.

Freilandhaltung

Bei der Freilandhaltung haben Hennen einen ähnlichen Stall wie bei der Bodenhaltung aber ihnen steht tagsüber ein Freilandbereich mit 4 m² pro Huhn zur Verfügung. Proble: Hühner fühlen sich nur im Gras wohl, wo sie nicht gesehen werden. Sie sind Fluchttiere und haben Angst vor Greifvögeln. Von kahlen Flächen fühlen sie sich bedroht, weswegen sie es meiden hinauszugehen. Schade.

Ökologische Erzeugung

Bio ist nicht gleich Bio. Da gehe ich gleich noch drauf ein. Aber soviel sei gesagt: Dank der BIO EU-Verordnung haben wir hier 6 Hennen auf einem m², die Behandlung von Krankheiten soll vorzugsweise homöopathisch stattfinden und der Auslauf, ebenfalls 4m², muss hier auch eingehalten werden. Auch Bio-Hühner sind Fluchttiere. Aber sie haben das Glück, dass Pflanzenbewuchs durch Bäume und Sträucher vorgeschrieben ist. Auch der Boden im Stall, muss zu einem Drittel eine feste Konstruktion sein. Auch die Fütterung unterliegt Auflagen: So soll das Futter überwiegend aus eigener Erzeugung kommen.

Bio und mehr

Zahlreiche kleinere Verbände haben sich bereits gebildet, um den Hühnern ein besseres Leben zu gewährleisten und trotzdem Geld mit den selbst erzeugten Produkten zu verdienen. Die Auflagen sind meist sehr streng für die Bauern und ebenso die Kontrollen. Weiter unten findet ihr einige Kaufempfehlungen.

Vielleicht denkt Ihr jetzt: Ja klar, ich kaufe Bio und alle anderen kaufen ja wohl auch Bio. Weit gefehlt. Bis heute leben 65 % der Hühner in Bodenhaltung. Also ohne einmal in ihrem Leben das Sonnenlicht gesehen zu haben. Das ist immer noch viel zu viel.

Das Thema mit den männlichen Küken

Eigentlich ist es hier wie bei uns Menschen. Männliche Küken setzen nicht so schnell Fleisch an und sie können keine Eier legen. Das macht sie teuer für die Halter. Klar, wer nichts reinbringt, schmälert den Gewinn. Deswegen werden in konventioneller Tierhaltung die männlichen Küken häufig direkt nach dem Schlüpfen geschreddert. Das ist mit Blick auf die Produzenten zwar logisch nachvollziehbar aber natürlich ganz furchtbar und grausam und sollte deswegen nicht unterstützt werden. Auch hier gibt es vereinzelt Betriebe, die gegen das Kükentöten arbeiten.

Eine Frage des Eier Preises?

Bei 231 Eiern im Jahr spielt selbstverständlich auch der Preis eine Rolle. Ein Ei aus Bodenhaltung im Discounter kostet ca 0,19 Cent. Ein Bio-Ei von einem Demeter Hof kostet 0,60 cent. Das ist ein Unterschied. Klar. Wie wäre es denn damit vielleicht pro Woche ein Ei weniger zu essen und dafür aber mit gutem Gewissen Eier höchster Qualität zu kaufen? Denkt drüber nach.

Welche Eier soll ich denn nun kaufen?

Die Frage aller Fragen und dennoch ist sie nicht ganz einfach zu beantworten. Bevor ich Euch ein paar Empfehlungen gebe, vielleicht noch eine Info. Auf dem könnt Ihr genau sehen aus welcher Haltung es stammt. Auf jedem Ei findet Ihr eine Nummer:

z.B. 1 – DE – 12345…

Die erste Ziffer steht für die Haltung:

  • 0 = Ökologische Erzeugung
  • 1 = Freilandhaltung
  • 2 = Bodenhaltung
  • 3 = Käfighaltung

DE ist das Herkunftsland – EU-weit ist die Kennzeichnung geregelt.

Die letzten Ziffern geben an, wo genau das Ei herkommt, wobei die ersten beiden Ziffern das Bundesland kennzeichnen:

  • 01 = Schleswig-Holstein
  • 02 = Hamburg
  • 03 = Niedersachsen
  • 04 = Bremen
  • 05 = Nordrhein-Westfalen
  • 06 = Hessen
  • 07 = Rheinland-Pfalz
  • 08 = Baden-Württemberg
  • 09 = Bayern
  • 10 = Saarland
  • 11 = Berlin
  • 12 = Brandenburg
  • 13 = Mecklenburg-Vorpommern
  • 14 = Sachsen
  • 15 = Sachsen-Anhalt
  • 16 = Thüringen

So könnt Ihr zumindest schon mal sehen woher das Ei wirklich kommt, auch wenn Ihr Eier auf dem Markt oder lose kauft. Mit Bio Eiern seid Ihr auf jeden Fall schon mal gut bedient. Und das Beste ist: Für gewöhnlich findet man Bio Eier heute in jedem Supermarkt. Wenn Ihr noch die „Extra-Mile“ gehen wollt, schaut Ihr Euch die Labels noch etwas genauer an. Ihr stoßt hier immer wieder auf 2 Worte:

  • Bruderhahn Initiative: Hier geht es darum, dass die männlichen Küken mit großgezogen werden und der Eierverkauf so letztlich zwei Hühner (in der Theorie) tragen muss. Einige Eierproduzenten haben sich dieses Thema schon auf die Fahne geschrieben. 4 Cent kommen beim Bruderhahn Ei on Top, damit die männlichen Küken leben dürfen. Hier kommt Ihr zur offiziellen Seite: Bruderhahn. Die Idee für die Zukunft ist denkbar einfach: Wenn eine 4-köpfige Familie 10 Eier in der Woche konsumiert und 2 Mal im Jahr ein Suppenhuhn oder ein Brathähnchen kauft, ist die Huhn-Ei-Bilanz ausgeglichen. Die Initiative schlägt einen verantwortungsvollen Verzehr & Konsum vor. Ein Ansatz, den ich wertvoll finde und sehr unterstütze. Solange das auch so von der Gesellschaft umgesetzt wird, zahle ich gern die 4 Cent mehr.
  • Zweinutzungs Hühner: Produzenten, die Zweinutzungs Hühner halten, verkaufen nicht nur die Eier, sondern auch das Fleisch der Bruderküken nach deren Aufzucht. Hier gibt es spezielle Rassen mit denen das überhaupt möglich ist. In der Schweiz zum Beispiel, verkauft das Biolabel Demeter NUR Eier von Zweinutzungshühnern.

Hier nun meine Tipps zum Kauf:

Regionale Höfe (Demeter & Bioland)

Demeter und Bioland sind zwei Siegel, denen ich bei vielen Dingen wirklich vertraue. So auch bei den Eiern. Hier bleiben die Küken am Leben, die Hühner leben ein lebenswürdiges Leben und die Bauern werden fair bezahlt. Ihr könnt bei beiden Siegeln auf den Webseiten über die Hofsuche einen Hof in Eurer Nähe finden. Auch im Basic Supermarkt bekommt Ihr Demeter Eier. Die Verpackungen sind deutschlandweit verschieden, weil unterschiedliche Höfe aber das Demeter oder das Bioland Zeichen sin immer drauf.

Kleinere Organisationen und Verbünde

Nicht nur die Großen tun etwas. Es gibt bereits Höfe, die sich zusammenschließen und nach Lösungen suchen. In Hessen zum Beispiel haben sich sechs Betriebe zu „Bickus“ zusammengeschlossen. Sie bewirtschaften ihre Höfe nach Naturland Richtlinien: 140 Hennen auf einem Hektar, überdachter Wintergarten und reichlich Auslauf. Die Weiterverwertung des Huhns nach der Legeperiode haben die Höfe selber in die Hand genommen und verkaufen ihre Produkte online. Unter www.bickus.de findet ihr die Anbieter. Auch Bio-Hähnlein aus Mecklenburg Vorpommern könnt Ihr mit gutem Gewissen kaufen. Ein ähnliches Konzept, ein ähnlicher Verkauf. Hier geht es zur Webseite: http://www.bio-haehnlein.de.

Der regionale Hof des Vertrauens

Auch Höfe, die nicht zertifiziert sind, können schon ganz viel richtig machen. Meine Kollegin erzählt mir immer von einem Hühnerhotel bei ihr auf dem Dorf, mit vieeeelen glücklichen Hühnern. Auch das kann eine Möglichkeit sein. Wenn Ihr auf einem Hof kauft, lasst Euch doch mal die Stallungen zeigen. Ich möchte hier keinen Hof schlecht machen. Aber bevor Ihr den Hof nicht selber gesehen habt, geht lieber auf Nummer sicher.

Fazit

Natürlich muss jeder selber wissen, was er wie und wo kauft. Ich empfehle auf Demeter Eier zurückzugreifen, wenn diese nicht verfügbar sind auf Bio Eier und im Notfall Freiland Eier. Bevor Ihr zu Eier aus Bodenhaltung greift, solltet Ihr Euch vielleicht überlegen zum Frühstück auf eine Berry Bowl umzusteigen 🙂 Ich hoffe Ihr konntet ein bisschen was an Infos mitnehmen.

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