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Ist eine Ausbildung zum Ernährungsberater sinnvoll?

Ernährungskreis DEG

Bildcredit: DGE

Ihr Lieben, als ich in meinem letzten Seminar saß, habe ich darüber nachgedacht, dass genauso wie ich, wahrscheinlich viele mit dem Gedanken spielen, sich weiterzubilden und darüber nachdenken, ob eine Aus-, Fort- oder Weiterbildung sinnvoll für sie ist. Da ich das Ganze ja nun hinter mir habe, würde ich meine Erfahrungen gern mit Euch teilen. Ganz wichtig: Klar gibt es einige Fakten aber wir sprechen hier natürlich an vielen Stellen von meiner eigenen Meinung. Ich möchte niemanden überzeugen oder abhalten, ich teile nur meine Erfahrungen. Falls Dich nur etwas bestimmtes interessiert, hier der kurze Aufbau des Artikels:

  1. Wie bin ich zu dem Thema gekommen?
  2. Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es?
  3. Traum vs. Realität
  4. Die Ausbildung an sich
  5. Und nun?

Da es ja um meine Erfahrungen geht, starten wir mal damit, wie das Ganze angefangen hat.

Wie bin ich zu dem Thema gekommen?

Wenn Du Dich hier schon mal umgesehen hast, hast Du ggf auch schon diesen Artikel hier gelesen. Ich beschreibe darin meinen Weg zur gesunden Ernährung und das ist ein ähnlicher Weg, der mich zur Ernährungsberatung geführt hat. Zumindest ist es ein Teil davon. Mein Interesse an der richtigen Ernährung war immer da und ich habe viele Artikel und Blogs, Meinungen und Studien gelesen, um mir das nötige Wissen für mich ganz persönlich anzueignen. Irgendwann hat es angefangen mich zu nerven, dass ich zwar von Dingen überzeugt war aber sie nie wirklich belegen konnte, weil ich die Hintergründe nicht verstanden habe. Gleichzeitig hat mein Job angefangen mich unglaublich zu stressen und ich kam irgendwann an den Punkt, dass ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte: Ich wollte gern Expertise in einem Bereich erlangen,der mich eh interessiert und im besten Fall irgendwann damit Geld verdienen. Diese Idee war da aber natürlich noch nicht so wirklich ernst. Ich hab zu diesem Zeitpunkt noch bei L’Oréal gearbeitet, hab gutes Geld verdient und hatte eigentlich auch nicht vor das zu ändern. Dass ich dann 2 Monate später kündigen würde, war mir allerdings wahrscheinlich unterbewusst schon klar. Ich hab also angefangen ein wenig zu recherchieren, um zu schauen, wie ich mich weiterbilden möchte. Un dbin auf verschiedene Möglichkeiten gekommen.

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es?

Viele. Und das hier ist wahrscheinlich auch der wichtigste Unterpunkt. Wenn man sein Geld mit Ernährung verdienen möchte, gibt es vier Grundeinstiegsmöglichkeiten:

  1. Studium Ernährungswissenschaften: Vollzeitstudiengang, der auch vereinzelt von Fern-Unis angeboten wird. Die Kosten hierfür liegen bei ca. 13.000 € (Fernuni).
  2. Studium Oecotrophologie: Vollzeitstudiengang, gilt das Gleiche wie für Ernährungswissenschaften.
  3. Ausbildung zur Diätassistentin/ zum Diätassistenten: 3-jährige Ausbildung (praktisch/theoretisch), die unbezahlt ist.
  4. Fernlehrgang Ernährungsberater: Fernlehrgang über 14 Monate oder schneller), Koten ca. 1.200 €.

Hier erkennt Ihr schon die grundlegenden Unterschiede. Während die ersten drei richtige Berufsausbildungen sind, ist der „Ernährungsberater“ eher ein Lehrgang. Der erworbene Abschluss „Ernährungsberater“ ist kein geschützter Begriff. Das bedeutet, dass rein theoretisch, jede Institution, jede Schule und eigentlich sogar jede Privatperson solch einen Lehrgang anbieten kann. Natürlich gibt es qualitative Unterschiede. Ich habe mir verschiedene Möglichkeiten angesehen, die Paracelsus Schule, die SGD, IHK und schlussendlich die BTB. Ich habe mir einiges an Material zuschicken lassen und die Übersicht der Inhalte und habe mich aus diesem Grund für die BTB entschieden. Das hatte aber auch damit zu tun, dass ich das Präsenzseminar hier in der Nähe besuchen konnte und dafür nicht durch ganz Deutschland fahren wollte. Letztlich kommt es tatsächlich darauf an, welche Inhalte einen am meisten interessieren und wo man sich am besten aufgehoben fühlt. Da der Abschluss immer der Gleiche ist, ist die Wahl einem selbst überlassen. Auch ob man die Ausbildung nach DGE wünscht oder nicht spielt hier eine Rolle. Die DGE ist die deutsche Gesellschaft für Ernährung. Sie verwalten praktisch offiziell das Wissen rund ums Thema Ernährung für Deutschland. So legen sie zum Beispiel Richtwerte für Vitamine oder Vitalstoffe fest, geben Ernährungsempfehlungen und sie stellen auch die Qualitätssicherung der Ernährungsberatung sicher. Wie Ihr Euch sicher denken könnt, sind nicht alle, die sich mit dem Thema Ernährung beschäftigen, mit den Leitlinien der DGE d’accord (ein Streitpunkt ist zum Beispiel immer wieder die Verzehrmenge von Kohlenhydraten). Deswegen gibt es Ernährungsberater Lehrgänge nach DGE oder eben nicht nach DGE. Die DGE selber bietet natürlich auch einen Lehrgang an, das wiederum führt mich zum nächsten Punkt.

Traum vs. Realität

Ganz ehrlich, zu Beginn habe ich NATÜRLICH davon geträumt eine kleine Praxis zu haben und den ganzen Tag Menschen mit Ihrer Ernährung zu helfen. Ich wollte Kurse für Diabetes Patienten und Adipositas Beratung anbieten und regelmäßig an spannenden DGE Kongressen teilnehmen. Ehm nein. So ist das nicht und so wird das nie sein. Wie gesagt bietet die DGE selber Kurse an. Nur wer einen DGE Lehrgang besucht, wird auch von der DGE zertifiziert, wird in das Verzeichnis der DGE eingetragen und kann Kurse anbieten, die von der Krankenkasse bezuschusst werden. Und alle so: Ok, dann mach ich den Lehrgang bei der DGE. Ne, ne. Den Lehrgang bei der DGE darf man nur besuchen, wenn man eine der oben genannten Ausbildungen 1-3 absolviert hat. Das heißt: Ohne Berufsausbildung gibt es keine DGE-Zertifizierung, keine Krankenkassenkurse und damit eine ganze Menge an potentiellen Kunden weniger. Ganz ehrlich: Vielen ist das nicht bewusst. Ich saß erst am Sonntag wieder im Seminar und die Ladies waren total enttäuscht, als die Dozentin vorn das erwähnt hat – übrigens studierte Ernährungswissenschaftlerin. Wenn man sich also wünscht in diese Richtung zu gehen, kommt man um eine Ausbildung oder ein Vollstudium nicht drum rum. Tatsächlich dachte ich ganz zu Beginn auch noch, dass ich ein paar mehr Möglichkeiten hätte. Ich hab dann angefangen zu recherchieren und festgestellt: Nee so isses nicht. Habe mich dann aber dennoch dazu entschlossen den Lehrgang zu Ende zu bringen.

Die Ausbildung an sich

Kommen wir zur eigentlichen Ausbildung. Die Ausbildung besteht aus den folgenden Komponenten:

  • Studienbriefe: Das sind im Grunde die Inhalte des Lehrgangs, die man nach und nach nach Hause geschickt bekommt, um sie zu bearbeiten. Hier stehen alle Infos von Grund auf drin. Ich hätte mir hier tieferes Wissen gewünscht. Einen Großteil der Inhalte kannte ich, für jemanden, der ganz neu anfängt sind die Briefe aber sicherlich wichtig und auch ein wichtiges Nachschlagewerk. Auch die Übersicht über die einzelnen Vitalstoffe (jeder Vitalstoff hatte ein eigenes Kapitel) fand ich sehr hilfreich. Da schau ich auch immer noch sehr häufig rein.
  • Sonntagsvorlesungen: Der Besuch der Vorlesungen ist optional. Sie finden in regelmäßigen Abständen in verschiedenen Städten (in meinem Fall eben Wuppertal) statt und behandeln wechselnde Themen. Ich habe eine Sonntagsvorlesung besucht. Die Dame hat eine vollgeschriebene Folie nach der nächsten aufgelegt und ich bin mittags wieder gegangen, weil ich mich zu Tode gelangweilt habe. Ich habe aber mit „Mit-Studentinnen“ gesprochen, die auch von sehr spannenden Vorlesungen berichtet haben, ich denke ich hatte nur Pech.
  • E-Vorlesungen: Regelmäßig werden Onlinevorlesungen zu bestimmten Themen, wie Unverträglichkeiten oder Garmethoden etc etc angeboten. Die gehen in der Regel 1-2 Stunden und finden am Abend statt. Auch hier ist die Teilnahme optional.
  • Praxisseminar: Die Teilnahme am Praxisseminar ist verpfichtend, um das Abschlusszertifikat zu bekommen. Das Seminar geht über 2 Tage und es werden Themen behandelt, wie man die Ernährungsberatung in der Praxis umsetzt. Also wie man mit Klienten spricht, Eigen-PR etc. Ich hatte eine tolle Dozentin, gelernt habe ich aber ehrlicherweise nichts. Ich hatte aber das Gefühl, dass das Seminar für viele Anwesende sehr notwendig war.
  • Abschlussprüfung: Zum Abschluss wird eine mehrseitige Prüfung bearbeitet, die nach Hause geschickt wird. Ich fand das tatsächlich super spannend und auch wenn man alles nachschlagen kann, ist es eine Herausforderung.

Nach 14 Monaten (oder früher oder auch später, 12 Monate darf man überziehen), ist man dann fertig und erhält seinen Schein. Wobei ich auf meinen gerade noch warte. Wie oben ja schon angekündigt, hätte ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht. Da ich mit den Grundzügen der Vollwerternährung bestens vertraut war und mir darüber hinaus Wissen aneignen wollte, war ich einfach etwas unterfordert. Ich habe aber viele Damen kennengelernt, die völlig neu in diesem Bereich waren und das höchst spannend fanden. Ich denke also, es kommt ein bisschen darauf an, was man mitbringt und was man erwartet. Die BTB bietet schon einiges an Zusätzen an, allerdings hatte es für mich häufig zu wenig Relevanz. Ob das bei anderen Anbietern anders ist, kann ich natürlich nicht beurteilen, da die BTB aber einen sehr guten Ruf hat, denke ich, ist das ähnlich. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass es zwar das Lernmaterial auch digital gab, allerdings gescannt, was das Lesen nicht gerade erleichtert hat. Generell waren auch die Dozenten nicht die digitalsten. Müssen sie natürlich nicht aber schlechte Präsentationen nerven mich schon immer ein bisschen. Egal, jetzt hab ich es ja hinter mir.

Und nun?

„Was machst Du denn jetzt damit?“ fragen mich viele. Eigentlich das Gleiche wie vorher, nur mit einem besseren Gefühl. Ich helfe Menschen mit ihrer Ernährung. Meist sind das Lifestylethemen, also abnehmen, Vitamine etc.. Ich mache eine Anamnese und schreibe Pläne. Ich spreche mit den Menschen und kümmere mich um sie. Ich entwickel Gerichte zu bestimmten Themen und stelle Lebensmittel zusammen, die eine perfekte, gesunde Ernährung ermöglichen. Manchmal bekomme ich dafür Geld, meistens aber nicht, oft bin ich zu gutmütig und mache es einfach so, weil es mir Spaß macht. Und auch wenn ich schon sehr viel weiß, kostet das natürlich immer noch viel Zeit. Zeit, die ich gar nicht hätte, wenn ich momentan einen festen Job hätte. Aber ich mache es gern und hoffe schon, mir langfristig damit etwas aufzubauen, weil ich Menschen helfe und sie happy machen kann. Das geht allerdings nicht wegen des Lehrgangs, sondern weil ich einen Großteil meiner Zeit damit verbringe, mich diesbezüglich weiterzubilden. Allerdings gibt mir das Zertifikat schon ein ganzes Stück Selbstvertrauen und Zuversicht. Einfach nur, weil es da ist. Und aus diesem Grund würde ich es wahrscheinlich auch wieder machen. Mehr für mich, als dass es wirklich etwas „bringen würde“. Wenn Ihr der Meinung seid, Ihr möchtet das nur machen, um besser informiert zu sein, rate ich Euch ab. Lest. lest Bücher, lest die Ernährungsumschau, lest Studien und Artikel. Damit erlangt Ihr ein viel umfassenderes Wissen. Die Grundlagen findet Ihr ebenfalls in Lehrwerken, kritisch hinterfragen könnt Ihr anhand aktueller Veröffentlichungen. Wenn Euch die Decke auf den Kopf fällt und Ihr den Einstieg zu etwas anderem sucht, dann versucht es. Außer dem Geld habt Ihr ja nichts zu verlieren und ich weiß von vielen, die diesen Lehrgang gemacht haben, einfach nur um zu sehen: Da draußen gibt es noch etwas anderes für mich. Ich für meinen Teil hab es genau dafür genutzt. ich habe dank dieser Entscheidung festgestellt, dass ich meinen Job und mein berufliches Umfeld furchtbar finde und dass es mich vergiftet. Jetzt arbeite ich an einem Plan B. Die Ernährungsberatung wird auf jeden Fall ein Teil bleiben.

Ich hoffe dass ich Euch damit einen ganz guten Einblick geben konnte. Falls Ihr Fragen hab, immer her damit!

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